
In seiner Information zum Unternehmertag in der Werkstatt Eiserfeld berichtete Herr Droste, dass Außenarbeitsplätze in den Siegener Werkstätten „ die Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben“ ermöglichen und durch das SGB IX zum gesetzlichen Auftrag wurden. Die Förderung des Übergangs auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gehört vermehrt zum Leistungsprofil der Siegener Werkstätten.
Die „Wir über uns“ Ausgabe im Dezember 2006 beschrieb erste erfolgreiche Versuche der Werkstatt Schameder.
Jetzt konnte Frau Graf als Bereichsleitung der Siegener Werkstätten stolz in einem Bericht der Lokalzeit Südwestfalen vom 21. Juli 2007 auf den erfolgreichen Einsatz von 29 Beschäftigten außerhalb der Werkstätten bei 12 Unternehmen im Siegerland und in Wittgenstein verweisen.
Dieser Erfolg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis verstärkter Bemühungen, die Förderung und Eingliederung der Beschäftigten durch geeignete Maßnahmen und ein ergänztes Förderkonzept voranzutreiben.
Einzelne oder mehrere Beschäftigte arbeiten unter arbeitsmarktähnlichen Bedingungen außerhalb der Werkstatt in einem Betrieb auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.
Der Beschäftigte behält den Werkstattstatus, wird weiterhin von der Werkstatt betreut, versichert und bezahlt. Zwischen den Siegener Werkstätten und dem Betrieb, der den Arbeitsplatz zur Verfügung stellt, werden in einem Vertrag die Rahmenbedingungen festgelegt. Ebenso wird eine Vereinbarung zwischen dem Beschäftigten und der Werkstatt getroffen.
Die Werkstatt erhält von dem Betrieb eine Bezahlung für die reine zur Verfügung gestellte Arbeitsleistung.
Die erfolgreiche Durchführung eines Betriebspraktikums und verantwortliches Arbeiten.
In einer zeitlich begrenzten Arbeitserprobung von 2 – 4 Wochen wird geprüft, ob derPraktikant für eine Arbeitssituation außerhalb der Werkstatt das Interesse und die verlangten Fähigkeiten besitzt.
Bei einer Umfrage durch die Gruppenleitungen der Siegener Werkstätten gab es das Ergebnis, dass nur wenige Beschäftigte einen Außenarbeitsplatz einnehmen können oder außerhalb der Werkstatt arbeiten wollen.
Durch geeignete Trainingsmaßnahmen und spezielle Schulungen und Unterweisungen wird bereits im Berufsbildungsbereich mit der Förderung begonnen und dies durch ein gestaffeltes Angebot im Arbeitsbereich fortgesetzt, um mehr Interessenten zu finden.
Voraussetzung ist allerdings auch, geeignete Unternehmen zu finden, die angemessene Bedingungen zur Förderung ermöglichen und Außenarbeitsplätze anbieten wollen.
„Wir montieren Sauggehäuse für Staubsauger“ berichtet Hans Ulrich Fries in einem Redaktionstreffen über seinen neuen Außenarbeitsplatz bei der Firma Hess GmbH & CO KG in Burbach Wahlbach. Es ist nicht seine erste Tätigkeit unter arbeitsmarktähnlichen Bedingungen. In einem früheren Betriebspraktikum bei der Firma Klaas & Pitsch konnte er erste Erfahrungen sammeln.
Er arbeitet gerne außerhalb der Werkstatt. Er erzählte wiederholt von seinen Erlebnissen und weckte dadurch bei den Redaktionsmitgliedern das Interesse, einen Außenarbeitsplatz kennen zu lernen.
Nach Absprache konnten wir mit den Redaktionsmitgliedern am 14. Juli 2008 den Außenarbeitsplatz in Burbach Wahlbach besichtigen. Herr Imhäuser, der Betriebsleiter der Firma Hess, führte uns durch den Betrieb und beantwortete unsere Fragen, und wir hörten die Meinungen der anderen Beschäftigten.
Einige Jahre gab es positive Erfahrungen mit Arbeitsangeboten für psychisch behinderte Menschen in unserem Betrieb. Mit dem Bau der neuen Produktionshalle für die Kunststoffspritztechnik war eine Personalerweiterung möglich. Der bestehende Kontakt zu Herrn Borutta, Einrichtungsleiter der Werkstatt Deuz, ermutigte uns, einen Arbeitsversuch mit Beschäftigten aus den Siegener Werkstätten zu starten.

Selbstverständlich mussten sich die Beschäftigten einarbeiten, und einzelne Veränderungen und Anpassungen waren erforderlich. Insgesamt musste aber wenig verändert werden. Der Arbeitsplatz ähnelt den anderen Montageplätzen in der Halle.
Die Beschäftigten aus den Siegener Werkstätten haben sich gut in den Betrieb eingefügt. Sie haben Interesse an der Arbeit und sind gut motiviert. Die Arbeitsergebnisse wurden verbessert und inzwischen kann auch am Band gearbeitet werden. Die Zusammenarbeit ist gut.
Normale Arbeitsstellen mit vollem Einkommen können mittelständische Unternehmen in Deutschland immer weniger anbieten. Der Arbeitsmarkt ist begrenzt, manuelle Arbeitstätigkeiten werden häufig zu teuer und in andere Länder ausgelagert. Ob einzelne Beschäftigte den Leistungsanforderungen über längere Zeit gewachsen sind, muss sich zeigen.
In den Pausen kommt es zu Kontakten und Gesprächen. Die anderen Mitarbeiter zeigen sich offen und helfen, wenn es Probleme gibt. Herr Imhäuser hat keine Berührungsängste und sieht Vorteile bei der Beschäftigung von behinderten Menschen.
Frau Wetter: In den Pausen können wir uns mit anderen Firmenmitarbeitern unterhalten. Wie in der Werkstatt wird über das Fernsehen, Fußballergebnisse oder andere Themen gesprochen.
Frau Schepp: Die Zusammenarbeit ist gut und wir sind akzeptiert wie bei einer normalen Arbeitsstelle.
Herr Ebermann freut sich bei der Firma Hess zu arbeiten, weil sein Weg zur Arbeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln jetzt deutlich kürzer ist und ihm die Arbeit Spaß macht.
Frau Schepp macht es Freude etwas Neues auszuprobieren und zu erlernen.
Herr Schmidt äußert sich, dass die Arbeit gut klappt, es gibt viel zu tun.
Frau Wistuba lobt die verbesserte Selbstständigkeit und Eigenverantwortung bei der Arbeit. Da sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommt, wünscht sie sich noch einen Außenarbeitplatz näher an ihrer Wohnung in Siegen.
Insgesamt fühlen sich die Beschäftigten bei der Firma Hess wohl und können sich vorstellen, über eine längere Zeit dort zu arbeiten.
Die Arbeit für die FAB bleibt erhalten. Der Außenarbeitsplatz ist ein gutes Trainingsfeld, unter arbeitsmarktähnlichen Bedingungen Tätigkeiten auszuprobieren und Förderung zu planen.
Einzelne Beschäftigte müssen geholt und nach Hause gebracht werden, einige können Teilstrecken selbstständig fahren und mehr als die Hälfte der Beschäftigten nutzt inzwischen öffentliche Verkehrsmittel.
Die Unterstützung durch die Fachkraft richtet sich nach dem erreichten Leistungsstand und der Selbstständigkeit der Beschäftigten. Eine Arbeitsgruppe von 5 Beschäftigten arbeitet nachmittags ohne die Anwesenheit eines FABs.
Auch die selbstständigen Beschäftigten erhalten individuelle Beratung und einzelne Hilfestellungen bei auftretenden Schwierigkeiten.
Der Förderauftrag der Werkstatt gestaltet sich individuell auf den Außenarbeitsplatz bezogen und wird durch Herrn Heppner dokumentiert.
Die arbeitsmarktähnlichen Produktionsbedingungen mit dem erhöhten Produktionstakt steigern die Anforderung an den FAB.
Der Einsatz mit dem vorhandenen Personal reicht auf Dauer bei den komplexen Anforderungen von Außenarbeitsplätzen in den vielseitigen Produktionsbetrieben nicht aus (Erschließung neuer Außenarbeitsplätze, Kooperation mit den Unternehmen, individuelle Hilfestellungen, beschränkte finanzielle Mittel.)
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) muss klären, wie die Stelle eines Integrationsassistenten in der Werkstatt verwirklicht werden kann. Verbesserungen des Förderprofils und individuelle Förderung verlangen zusätzliches Personal.
Zitat K.-M. Flüter
